Lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge?
vom 01.07.2019

– Wann die Rentenversicherung über den Arbeitgeber sinnvoll ist. (Lesezeit: ca. 3-4 Minuten)


Lohnt sich eine Riester-Rente?
Dass die gesetzliche Rentenzahlung für die Menschen im Alter zukünftig nicht mehr ausreichen wird, ist mittlerweile allen bekannt. Um aufzufangen, was uns durch Inflation und sinkende Renten verloren geht, kommen wir um Formen der privaten Vorsorge schon lange nicht mehr herum. Um eine sichere Vorsorge für die Rente aufzubauen, empfiehlt der Staat eine Kombination aus Gesetzlicher Rente, Privaten Rentenprodukten (wie z.B. Riester oder Rürup) und einer betrieblichen Altersvorsorge durch den Arbeitgeber. Wie letztere gestaltet sein muss, damit sie Ihren Zweck erfüllt und der Arbeitnehmer im Alter wirklich davon profitiert, erklären wir in diesem Blog.

Was macht die betriebliche Altersvorsorge besonders?

Zunächst einige allgemeine Worte zur betrieblichen Altersvorsorge und ihrer Funktionsweise. Die Besonderheit der betrieblichen Altersvorsorge, kurz bAV, liegt insbesondere in der Tatsache, dass der Arbeitgeber den Sparbeitrag für den Mitarbeiter überweist. Zwar zweigt der Arbeitgeber den Sparbeitrag in Form der sogenannten Entgeltumwandlung grundsätzlich erst einmal vom Lohn seines Arbeitnehmers ab, doch der positive Effekt gegenüber einem privaten Rentenversicherungsvertrag ist durchaus beachtlich. So ist es zum Einen wissenschaftlich erwiesen, dass es den allermeisten Menschen psychologisch sehr viel einfacher fällt, Geld zum Sparen zurückzulegen, welches sie zuvor noch gar nicht richtig besessen haben.

Merksatz: Es ist schmerzhafter, Geld wieder wegzugeben, das bereits auf unserem Konto war!

Zum Anderen wird durch den Sparbeitrag das Bruttogehalt reduziert, wodurch dem Arbeitnehmer weniger Sozialversicherungsbeiträge sowie Lohnsteuern abgezogen werden.

Wie somit durch eine betriebliche Altersvorsorge ein deutlich höherer Spareffekt eintreten kann, als an Beitrag tatsächlich aufgebracht wird, soll folgendes Beispiel verdeutlichen:

Brutto
3000€

bAV
100€

Brutto
2900€

Ca. 443€ Lohnsteuer
Ca. 572€ SV-Beiträge
Ca. 417€ Lohnsteuer
Ca. 561€ SV-Beiträge
Ca. 1015€ Steuern + Beiträge
netto = 1985€
Ca. 978€ Steuern + Beiträge
netto = 1922€

⇒ Nur ca. 63€ weniger auf dem Konto, aber dafür 100€ für die Rente gespart!

Ihr Arbeitgeber sitzt mit im Boot

Arbeitgeber müssen Ihnen die Möglichkeit des Sparens in eine betriebliche Altersvorsorge im Rahmen der Entgeltumwandlung ermöglichen. Da auch der Arbeitgeber hierdurch Lohnnebenkosten einsparen kann, ist er Arbeitgeber außerdem seit 2018 per Gesetz dazu verpflichtet, die betriebliche Altersvorsorge eines neuen Mitarbeiters mit mindestens 15% zu bezuschussen. Sparen Sie also 100€ monatlich, kommen nochmals 15€ von Ihrem Arbeitgeber obendrauf. Ab dem Jahr 2022 gilt diese Regelung dann auch für alle Bestandsmitarbeiter.

Betrachten wir die obige Rechnung, vergrößert sich die Hebelwirkung Ihrer betrieblichen Altersvorsorge somit nochmals. Für 63€ weniger Gehalt auf dem Konto, können Sie 115€ für Ihre Rente ansparen. Dies sind 52 extra gesparte Euro, für welche Sie selbst keinen Cent zusätzlich aufwenden müssen.

Die Spielregeln der betrieblichen Altersvorsorge

Einige Dinge sind beim Sparen in eine betriebliche Altersvorsorge zu bedenken. Zwar fällt uns das Sparen über das Bruttogehalt leichter und die angesparte Rente ist im Ernstfall vor Insolvenz und Anrechnung von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) geschützt, dennoch zeigt die betriebliche Altersvorsorge Einschränkungen, wenn es um die Flexibilität geht. So haben Sie zum Zeitpunkt der Auszahlung lediglich die Wahl, die volle gesparte Summe zu entnehmen oder aber, sich eine monatliche Rente auszahlen zu lassen. Eine Mischung beider Varianten, wie etwa bei der Riester-Rente oder einer klassischen privaten Rentenversicherung, ist nicht möglich. Auch ist das Geld aus der betrieblichen Altersvorsorge nicht jederzeit frei verfügbar. Stattdessen beschränkt sich der Verfügbarkeitszeitraum, ab welchem Sie Ihre einmalige oder laufende Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge abrufen können, auf die Zeit zwischen dem 62. und 67. Lebensjahr. So wird sichergestellt, dass die Vorteile, welche Ihnen gewährt werden, um den Aufbau Ihrer Altersvorsorge durch den Staat und den Arbeitgeber aktiv zu unterstützen, am Ende auch tatsächlich dazu gereichen, Sie im Rentenalter abzusichern und nicht bereits zuvor für andere Zwecke aufgebraucht werden.

Erbberechtigt für die betriebliche Altersvorsorge sind im Falle des Falles Ihr Ehegatte, Ihr in häuslicher Gemeinschaft mit Ihnen lebender Partner oder kindergeldberechtigte Kinder.

Sollten Sie Ihren Arbeitgeber wechseln, können Sie Ihren Vertrag mitnehmen und entweder bei Ihrem neuen Arbeitgeber oder auch privat fortführen. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Beiträge zu entnehmen und in einen neuen Vertrag bei Ihrem neuen Arbeitgeber zu integrieren. Eingezahlte Beiträge müssen Ihnen garantiert werden. Dies bietet Ihnen Sicherheit für die Rentenzeit. Diese Sicherheit bezahlen Sie allerdings mit einer (verglichen mit anderen privaten Vorsorgevarianten) überschaubaren Renditeaussicht von maximal 3-4%.

Zu guter Letzt ist die Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge i.d.R. zu 100% zu versteuern. (Doch keine Panik. Dass „versteuern“ nicht bedeutet, auch tatsächlich Steuern zahlen zu müssen, können Sie in folgendem Blog nachlesen.) Auch Krankenversicherungsbeiträge sind auf 100% der ausgezahlten Rente zu entrichten. Für Steuern und Krankenversicherung sollte somit mit bis zu 40% Abzug der Gesamtrentensumme gerechnet werden.

Der Arbeitgeberzuschuss

Bedenkt man, dass sich durch das geringere Brutto außerdem die erworbenen Rentenpunkte sowie der regelmäßige Anspruch auf Arbeitslosengeld, Elterngeld und Krankengeld geringfügig verringern, wird deutlich, dass erst eine nennenswerte Bezuschussung ab ca. 30% des Beitrages durch den Arbeitgeber die eingangs genannten Vorteile und positiven Effekte der betrieblichen Altersvorsorge auch langfristig zum Tragen kommen lassen. Denn erst hierdurch lassen sich die Einbußen, die in Kauf genommen werden müssen, ausgleichen, so dass der Arbeitnehmer am Ende einen tatsächlichen Mehrwert aus seiner betriebliche Altersvorsorge zieht.

Einen Sonderfall stellen Arbeitnehmer dar, welche über 54.450€ im Jahr verdienen und somit über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegen. Da Sie in der Ansparphase keine Vorteile aus den Ersparnissen der Krankenversicherungsbeiträge ziehen können, in der Rente jedoch ebenfalls Krankenversicherungsbeiträge abführen müssen, besteht das Problem der „Doppelverbeitragung“. Damit auch diese Arbeitnehmer einen Nutzen aus der betrieblichen Altersvorsorge ziehen können, muss der Arbeitgeberzuschuss nochmals höher liegen (über 40%).

Fazit

Um die entstehenden Kosten für Steuern und Beiträge auch auf Dauer auszugleichen, und von seiner betrieblichen Altersvorsorge profitieren zu können, sollte der Arbeitgeber-Zuschuss mindestens 30% betragen. Um eine wirklich lohnende Hebelwirkung für den Arbeitnehmer zu erzielen, empfehlen die Lieblingsmakler seinen Arbeitgebern einen Zuschuss i.H.v. 50%.

Ihr Arbeitgeber zahlt weniger als 50% Zuschuss? Dann lassen Sie sich im Rahmen einer Traumzeitplanung beraten, welche Alternativen Sie bei der Rentenplanung weiterbringen. Und schicken Sie gerne auch gleich Ihren Chef bei uns vorbei – wir würden Ihm da gerne etwas erklären 🙂

Übrigens: Die Lieblingsmakler bieten auch Schulungsveranstaltungen zum Thema betriebliche Altersvorsorge für Unternehmen an. Interesse? Dann melden Sie sich bei uns. Wir informieren Sie gerne.

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Meine VITA: „Robert Peukert ist seit nunmehr 16 Jahren selbstständiger Versicherungs- und Finanzberater und Geschäftsführer der Lieblingsmakler GmbH & Co. KG. Neben dem Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK) ist er qualifizierter Experte für Private Krankenversicherung, betriebliche Altersvorsorge und Baufinanzierung. Mit seinem Unternehmen zählt er u.a. zu den TOP 10 Versicherungsmaklern in Deutschland 2016 und wurde 2018 vom Handelsblatt zu einem der besten freien Berater für Geldanlagen gekürt.“

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